Ev. Schloßkirche Achtelsbach bei Birkenfeld

Neubau 2013 (I+P, 12) Orgelbau Rainer Müller; vollmechanische Schleifladenorgel

Bei einem Feuer im Januar 2010 brannte mit dem Kircheninnern auch die Orgel der ev. Kirche Achtelsbach aus; es handelte sich um ein Instrument der Fa. Mayer aus dem Jahr 1969, Teile des der Werkstatt Oberlinger entstammenden Vorgängerwerks von 1893 enthaltend. In Absprache mit dem Sachverständigen, Kantor Joachim Schreiber aus Simmern, wurde das neue Instrument in klanglicher Hinsicht an süddeutsch-barocke Vorbilder angelehnt; so erhielt das kleine einmanualige Werk z. B. einen reichen Bestand labialer 8’- und 4’-Stimmen und dem Mainzer Orgelbau entlehnte Mensuren und Schemata.

Neben transparent und warm klingenden Prinzipalen enthält das Manualwerk zwei Gedeckte unterschiedlichen Charakters, zwei Streicher (auffällig die langsam-körperlose Gambe), eine hervortretende Diskantflöte sowie eine Trompete Gablerscher Bauart. Die Teilung der meisten Manualstimmen (h°/cʹ) erlaubt einen vielfältigeren Einsatz des Manuals sowie bei Beachtung des Tonumfangs die Nutzung der entsprechenden Baßhälften fürs Pedal.

Die Besetzung des Pedals erlaubt dessen selbständigen Einsatz ohne Ankopplung; während der Subbaß für ein tragfähiges Fundament sorgt, eignet sich Violonbaß 8ʼ (nach Stummschem Vorbild aus Fichte, klar zeichnend) als Baßstimme wie zum solistischen Gebrauch.
Um ein diesem Werk angemessenes Spielgefühl zu begünstigen, erhielt die Manualtraktur keine Austuchung; die Windladen wurden in historischer Manier gefertigt (Manual: gespundeter Kanzellenrahmen; Pedal: gestemmte Bohlenlade).

Das massive Eichegehäuse nach firmeneigenem Entwurf orientiert sich an kleinen Brüstungsorgeln aus Böhmen; das Schnitzwerk im barocken Duktus (Linde, Entwurf und Ausführung Holzbildhauermeisterin Sylvia Oetjen) greift durch Wiedergabe von Heilpflanzen gegen Brandwunden die Vorgeschichte des Instuments auf. Die Gehäuseoberflächen sind pigmentiert geölt.

in Erinnerung an den Kirchenbrand wurde das Schnitzwerk in Gestalt von Heilpflanzen gegen Verbrennung ausgeführt (Linde, Holzbildhauermeisterin Sylvia Oetjen)

die größte Pfeife jeden Feldes, nicht klingend, erhielt ziselierte Verzierung

das Pfeifenwerk in historischer Fertigung; an der Spielerseite die rein mechanische Steuerung der Fortezüge

die frei hinterständige Pedallade in historischer Bauart; beide Pedalregister sprechen in Richtung Kirche

Detail des geöffneten Pedalwindkastens; im Gegensatz zum Manualwerk ist die Pedaltraktur ausgetucht

Ein Verführungsstock des Pedals musste unterbaut werden. Mitarbeiter Christian Lehr war mit einem einfachen Brett nicht zufrieden.

Erbauerinschrift, geschnitzt in die Innenseite der Manualabdeckung

Manual (C -f ‴)   Pedal C - d′  
Principal Subbass 16ʼ
Violdigamb 8ʼ B/D Violonbass
Flauto 8ʼ D    
Copula 8ʼ B/D    
Salicet 4ʼ B/D    
Gedactflaut 4ʼ B/D    
Octav    
Sesquialter 2f. B/D    
Mixtur 3f. 1ʼ B/D    
Trompet 8ʼ B/D    
  • Kanaltremulant (Bauart Schöler) aufs Manual
  • Bass-/Diskantteilung bei h°/cʹ
  • Pedalkoppel
  • feste Kombination Forte I: Copula 8ʼ, Principal 4ʼ
  • feste Kombination Forte II: Sesquialter, Mixtur
  • Stimmung Young 1802 im Kammerton